Initiativen gegen Einsamkeit im Alter

Immer mehr Alte, kaum noch Jüngere

Die Erwerbsbevölkerung in Deutschland wird in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich stark altern und schrumpfen. Dies wird sich negativ auf das Wirtschaftswachstum und die durchschnittlichen Einkommen auswirken. 2030 wird es in Deutschland voraussichtlich mehr Erwerbspersonen im Alter von 65 bis 74 Jahren als im Alter unter 20 Jahren geben. 2019 umfassten beide Gruppen jeweils 1,2 Millionen Erwerbspersonen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, werden im Jahr 2060 voraussichtlich 1,2 bis 2,2 Millionen Erwerbspersonen zur älteren und 1,0 bis 1,1 Millionen zur jüngeren Altersgruppe gehören. Einsamkeit im Alter ist dadurch ein zunehmendes Problem.

Älter, ärmer und einsamer

Die Lebenserwartung steigt an. Es ist ein vielschichtiges Phänomen mit unterschiedlichsten Ursachen. Vor allem ältere Menschen sind betroffen und brauchen unsere Unterstützung. Beinahe die Hälfte der Frauen im Alter über 65 Jahre lebt allein. Ein großer Teil dieser Frauen lebt von Mindestpensionen.

Initiativen gegen Einsamkeit im Alter liegen im Trend

Es gibt weltweit immer mehr Initiativen gehen Einsamkeit. Ich nenne das einen hoffnungsvollen Trend. Eine Initiative, die sich in Wien gegen Einsamkeit und Altersarmut richtet, ist das Generationencafé Vollpension. Die Grundidee der Vollpension basiert auf der Frage: Wo gibt ́s den besten Kuchen? Bei der Oma natürlich. Und wenn Oma nicht da, erhält man in der Vollpension das Gefühl von Oma, die Atmosphäre in Omas Stube, die Wärme, den Geruch frischgebackenen Kuchens, den Häferlkaffee und alle anderen Aspekte, bei dem einem warm ums Herz wird.

Hinter der Vollpension stehen die Sozialunternehmer*innen Hannah Lux, Julia Krenmayr und Moriz Piffl. Ihre Idee, Alt und Jung zusammenbringen und den älteren Menschen mit der Arbeit im Lokal einen Zusatzverdienst und soziale Kontakte zu ermöglichen, schlug ein. Der Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind über 60 Jahre alt. Jährlich werden 90.000 Kuchen und Tortenstücke verkauft. Rund 200.000 Gäste besuchen die zwei Standorte. In der Vollpension backen Senior*innen, die in Teilzeit angestellt sind, Lieblingsmehlspeisen nach alten Familienrezepten. Sie sind entweder als Bäcker*innen oder Hosts angestellt. Das Publikum an den zwei Standorten im ersten und vierten Gemeindebezirk Wiens besteht aus jungen und älteren Gästen.

Die Vollpension – als Franchise Geschäftsmodell hoffentlich bald in jedem Bezirk und außerhalb Wiens in jeder Stadt und jedem Dorf, ist ein Ort, wo Generationen zusammenkommen und ein Stück näher auf einander zugehen.

Crowdfunding rettet Oma und Opa

Im Frühling starteten die Betreiber ein Crowdfunding, um finanziell zu überleben und erfanden ein spezielles Flatrate-Bezahlmodell. Nun gibt es ein zweites Standbein: die digitale Vollpension, mit Backademie, Online-Backkursen und einem Online Shop. Ich habe meinen Geburtstagskuchen für nächste Woche schon bestellt. Unterstützen auch Sie dieses wunderbare Generationencafé – vielleicht mit einem Weihnachtsgeschenk für sich oder ihre Lieben.

Beitragsbild von Mark Glasser für Vollpension