Stift und Papier – Brieffreundschaften für Jung und Alt

Im Jahr 2020 traf die COVID-19-Pandemie die ältere Bevölkerung am härtesten, nicht nur in Bezug auf Risiko und Sterblichkeit, sondern auch in Bezug auf die Art und Weise, wie sie die Isolation und Einsamkeit aufgrund sozialer Distanzierung verschärfte. Zu Beginn des Jahres 2021 wurden jeden Tag vom 1. bis 21. Januar auf der Plattform Aging2.0 Initiativen aus aller Welt präsentiert, die gegen soziale Isolation entwickelt wurden. Am 3. Januar stammte die Initiative aus Köln: Stift und Papier heisst sie.

Briefschreiben – wie eh und je

Wir möchten das charmante Konzept mit dem Namen Stift & Papier heute gerne vorstellen. Stift & Papier ist ein Freundschaftsprojekt, das Menschen, die gerne Brief schreiben mit Bewohnern von Pflegeheimen und Krankenhäusern verbindet. Dieses von Freiwilligen geleitete Projekt hat in Deutschland große mediale Aufmerksamkeit erhalten und die Herzen und Gedanken vieler Menschen erobert.

Ein Beispiel: Die 92-jährige Edith lebt in einem Altersheim in Altena. Ihre Kinder leben in rund einer Stunde Entfernung von Edith und besuchen sie regelmäßig – zumindest bis der erste Covid-19 Lockdown begann. Als Edith ihre Familie nicht mehr sehen durfte, wurde sie sehr traurig und verlor ihren Appetit. Besorgt über Ediths zunehmende Traurigkeit und aus Sorge um viele andere Bewohner*innen kontaktierte der Leiter des Seniorenheimes die Organisation Stift & Papier, nachdem er von der Initiative im Fernsehen erfahren hatte.Stift und Papier - ein Brief an eine Altenheimbewohnerin in Köln

Edith erhielt bald darauf einen Brief von Daniela, die mit ihrem 7-jährigen Sohn in Wien lebt. Edith ließ sich von einer Pflegekraft im Altersheim den Brief vorlesen und bat um Hilfe bei der Antwort, in der sie ihre Freude über den Erhalt des Briefes zum Ausdruck brachte.

Eine Altenheimbewohnerin freut sich über einen Brief - die Stift und Papier Initiative bringt immens viel Freude (c) Stiftundpapier.org

27 weitere Bewohner*innen der Einrichtung haben Briefe aus vielen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz erhalten. Mehr als 200 Seniorenheime und Krankenhäuser haben sich der Initiative mittlerweile angeschlossen. Aufgrund des Bewusstseins für dieses Projekt ist das Schreiben und Versenden von handgeschriebenen Briefen bei jüngeren Generationen bereits zu einem Trend geworden!

Das Konzept

Stift & Papier wurde für Hein Bollow gegründet, der einst ein berühmter Jockey in Deutschland war und Ende letzten Jahres starb. Als der erste Lockdown begann, konnte Hein die Kölner Rennbahn nicht mehr besuchen. Täglich war er zuvor zur Rennbahn spaziert und hatte sich mit Jockeys ausgetauscht und die Pferde gestreichelt. Als die Betreiber der Rennbahn und die Community, die Hein gut kannte, herausfanden, dass Hein traurig war, beschlossen sie, Hein Briefe zu schreiben. Die Resonanz war überwältigend!

Stift & Papier ist aus diesem Konzept hervorgegangen. Die Initiative vernetzt Menschen, die gerne Briefe schreiben, mit jenen, die von der Pandemie am stärksten betroffen, isoliert und vernachlässigt werden.

Das Ergebnis

Während des ersten Lockdowns in Deutschland haben sich mehr als 10.000 Menschen registriert, um am Briefwechsel teilzunehmen. Das Stift & Papier-Team hat diese Autoren mit Bewohner*innen von Seniorenheimen und Krankenhäusern in ganz Deutschland zusammengebracht. Innerhalb von 9 Monaten hat sich die Zahl der Briefschreiber auf über 20.000 verdoppelt. Medienpersönlichkeiten und Sportstars lieben die Initiative und haben dazu beigetragen, ihr nationales Profil zu schärfen. Über 8.400 Menschen folgen dem Instagram-Account @einstiftundpapier.

Beitragsfoto von Daniel Krautsack